Deswegen der Aufruhr: RWE, Eon, Vattenfall und EnBW sehen durch Sonnenenergie ihre Felle davon schwimmen

Das hier ist mal ein sehr interessantes Interview von Klimaretter.Info mit Eicke Weber, dem Leiter des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE).

Zur neuen Diskussion über die EEG-Umlage merkt er an, dass bei deren letzten Anpassung ein Photovoltaik-Markt von 9,5 Gigawatt für 2010 und 2011 eingeplant worden war. Die tatsächlich installierten 7,5 GW sind damit zwar zwar ein Rekord, aber deutlich unterm Plan und daher gibt es für die Stromkunden auch keine zusätzliche Belastung.

Der Hintergrund war damals: Die Industrie war daran interessiert, eine möglichst große Zahl zu bekommen, damit es politisch schlecht für die Solarbranche aussah. So wurde der Anstieg auf 3,5 Cent, davon nur 1,5 Cent für die PV, dann ja auch gewertet. Aber nun wurden die 9,5 Gigawatt nicht erreicht, die EEG-Umlage ist auch aus anderen Gründen 2011 auf 3,53 Cent gestiegen; und in diesem Jahr sogar nur um weitere 0,06 Cent. Die augenblickliche Diskussion ist eine künstliche Aufregung aus interessierten Kreisen. (…)

RWE, Eon, Vattenfall und EnBW (…) beginnen sich wegen der Photovoltaik große Sorgen zu machen. Die Kilowattstunden, die durch Solarenergie erzeugt werden, gehen ihrem Geschäft verloren. Solange die Photovoltaik unter einem Prozent des Stroms eingespeist hat, haben sie sich recht wenig darum gekümmert, haben sogar Programme für Schulen gesponsert, damit Kinder etwas über Solarenergie lernen. Aber jetzt kommen mehr als drei Prozent des Stroms aus der Photovoltaik – mit schnell steigender Tendenz.

Dazu kommt: Die Photovoltaik frisst den Stromkonzernen den besonders lukrativen Spitzenstrom weg. Die Stromunternehmen haben in der Vergangenheit am meisten an dem Spitzenstrom verdient, der im Sommer zur Mittagszeit anfällt. Der ist der teuerste Strom an der Strombörse, da waren die Gewinne am größten. Deswegen greift die Leistung der Photovoltaik, obwohl sie immer so klein dargestellt wird, in die Gewinnstruktur der Stromversorger ein. Ich kann natürlich verstehen, dass die Stromversorger alle ihre Hebel einsetzen, um die Photovoltaik schlechtzumachen. Und die Hebel haben sie sowohl in die Medien als auch die Politik.

Aus Klimaschutzperspektive war mir eh vollkommen schleierhaft, was an den 7,5 GW letztes Jahr zu viel gewesen sein soll. Und tatsächlich:

wir brauchen einen Ausbau der Photovoltaik auf 50 bis 70 Gigawatt, wenn wir die Abschaltung der Kernkraftwerke ausgleichen und auch die schlimmsten Kohlekraftwerke abschalten wollen. Davon sind wir noch weit entfernt.

Im Klartext: Wer jetzt den Ausbau der Sonnenenergie abbremsen will, kann getrost als klimapolitischer Geisterfahrer bezeichnet werden.

Das Problem mit China seien nicht deren niedrige Arbeitskosten, sondern dass die deutschen Produktionsanlagen im Vergleich zu den chinesischen schon relativ alt sind. Und in Europa der Zugang zu Investitionskapital relativ schwierig ist.

Ein wichtiger Grund der gegenwärtigen Krise der deutschen Solarunternehmen ist, dass sie in Deutschland auf Produktionslinien produzieren, die drei, vier oder fünf Jahre alt sind, während sich die Chinesen die Produktionslinien erst in den letzten zwei Jahren gekauft haben. Und nur eine Gigawatt-Fabrik ist heute wirklich kosteneffizient. (…) Der schwierige Zugang zu Investitionskapital ist im Übrigen nicht nur das Problem der Photovoltaik, sondern aller Schlüsseltechnologien in Europa. (…)

Die Frage ist: Will Europa beginnen, Industriepolitik zu machen – oder nicht? Wir haben in so vielen Bereichen, etwa der Mikroelektronik, Technologien, die in Europa entwickelt wurden, zu hundert Prozent in andere Kontinente abgeben müssen. Derzeit ist Europa bereit, große Milliardensummen zur Rettung von Banken oder ganzen Staaten auszugeben. Was spricht dagegen, einen Topf von 50 Milliarden zu Gunsten von Investitionsgarantien für Schlüsseltechnologien bereitzustellen? (…)

Die Arbeitskosten an der Herstellung eines Solarmoduls betragen fünf oder sechs Prozent. Selbst wenn die Chinesen für null arbeiten würden, würde das nur sehr wenig Kostenvorteil bringen. (…)

Das Gerede um den Solardeckel finde ich besonders schädlich. Deutschland muss weltweit den Eindruck verteidigen, dass es in der Photovoltaik-Technologie führend ist. Und wenn Deutschland den Rösler-Deckel einführt, wäre das ebenso, als würden wir auf den deutschen Autobahnen ein 30-Stundenkilometer-Limit einführen – die deutsche Autoindustrie wäre dann weltweit nicht mehr dort, wo sie heute ist. Die Botschaft eines 1.000-Megawatt-Solardeckels heißt: Deutschland glaubt nicht mehr an die Photovoltaik.

Wobei ich persönlich der deutschen Autoindustrie nur bedingt hinterher weinen würde.

Related posts:

Lots of Good News on Renewables and Emission Trading

Here Comes Solar Energy, Will Become Less Expensive than Coal – Powerful Op-Ed by Paul Krugman

Solar Power Prices Keep Falling. And Falling. And Falling

Previous Post
Leave a comment

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: